Kleingarten pachten: Tipps

Mit dem Frühling geht auch die alljährliche Gartensaison wieder los. Über eine Million registrierter Kleingärtner fiebern ungeduldig der Zeit nach dem letzten Frost entgegen um endlich säen, pflanzen und schlussendlich auch ernten zu können. Einen Kleingarten pachten bietet jedoch weitaus mehr Nutzen als nur das Einbringen der Ernte. Er ist wie eine Oase mitten in der Großstadt und eine Idylle, in der man Ruhe findet und wunderbar an der frischen Luft vom hektischen Alltagsstress abschalten kann. Der Kleingarten bietet seinem Pächter einfach die Möglichkeit zur aktiven Entspannung. Wer in einer Großstadt einen Kleingarten pachten möchte, entscheidet sich ob er einen Grabelandgarten oder einen Kleingarten in einem Kleingartenverein pachten möchte. Das Pachten eines Grabelandgartenes hat den Vorteil, dass er zumeist deutlich größer als ein klassischer Schrebergarten in der Gartenkolonie ist und keinen Beitritt in einen Kleingartenverein erforderlich macht. Man kann in seinem Grabelandgarten praktisch tun und lassen, was man möchte. Allerdings haben Grabelandgärten in den meisten Fällen weder einen Stromanschluss und sind auch nicht an die öffentliche Wasserversorgung angebunden. Im besten Fall hat man einen Brunnen, alternativ kann man natürlich auch das Regenwasser zum Gießen nutzen.

Die Geschichte vom Kleingarten – Aus Armengärten wurden Kleingärten

Die heutigen Kleingarten haben ihren Ursprung aus den sogenannten Armengärten, welche Anfang des 18. Jahrhunderts in Ballungsräumen und deutschen Großstädten wie in Berlin oder Hamburg oder vielerorts im Ruhrgebiet entstanden sind. Durch den sprunghaften Anstieg der Bevölkerung machten sich Hunger und Verarmung unter der Bevölkerung breit. Um diesem entgegenzuwirken, beschlossen soziale Politiker wie der Landgraf Carl von Hessen die Erschließung von parzellierten Gärten mit einer durchschnittlichen Gesamtnutzfläche von etwa 400qm. Die Menschen bauten Obst und Gemüse an und züchteten in ihren Kleingärten Tauben, Hasen und Hühner, damit wenigstens ab und zu auch etwas Fleisch auf den Tisch kommen kann. Aus den Armengärten wurden sogenannte Laubenkolonien, welche besonders in den Nachkriegsjahren vielen Familien das Überleben sicherten, indem sie für Obdach und Nahrung boten.

Im Prinzip hat sich nicht viel geändert, man erntet immer noch das, was man zuvor säen tut. Allerdings liegt heutzutage das Hauptaugenmerk vom Kleingarten eher in dem erholerischen Nutzen für seinen Pächter, kaum jemand betreibt seinen Garten, weil er Angst vor dem Verhungern haben muss. Ein schöner Kleingarten hat die ideale Balance zwischen Nutz- und Erholungsfläche und spiegelt die Kreativität seines Nutzers wieder. Auf einem kleinen Stückchen Land kann man sich seine Welt so gestalten wie man sie selber gerne sehen und haben möchte.

Kleingarten pachten im Kleingartenverein

Wer in einer Kleingartenanlage einen Kleingarten pachten möchte, wendet sich an den jeweiligen Kleingartenverein. In vielen Großstädten ist die Nachfrage leider viel höher als das Angebot und es existieren lange Wartelisten. Ob eine Parzelle zu verpachten ist, erfährt man am besten, indem man sich direkt an den Gartenvorstand wendet. Auch Kleingartenvereine gehen mit der Zeit, die meisten haben auch eine eigene Webseite, der man alle relevanten Informationen entnehmen kann. Um einen Kleingarten pachten zu können, muss man im Regelfall auch Mitglied im Kleingartenverein werden. Dazu unterschreibt man die Beitrittserklärung zur Mitgliedsaufnahme und erklärt sich mit der Gartensatzung einverstanden. Diese ist als eine Art „Hausordnung“ zu verstehen, an die man sich auch halten sollte; schließlich will man in seinem kleinen Paradies auch Erholung finden und sollte deswegen auch niemanden anderen stören.

Kleingarten pachten – was kostet das?

Für den Kleingarten wird auch eine Abstandszahlung fällig. Der Abstand ist eine Art Kaution, welche vor der Übernahme des Gartens vom neuen Pächter an den Gartenverein zu zahlen ist. Diese Kaution erhält der Vorpächter des Gartens und sie richtet sich nach dem aktuellen Schätzwert, welcher zuvor vom Gartenvorstand festgelegt wurde. Gibt man den Garten eines Tages wieder ab, so erhält man vom Folgepächter den aktuellen Schätzwert wieder zurück. Neben der Abstandszahlung kommen folgende weitere Kosten auf den frischgebackenen Kleingärtner zu:

  • Pachtzins nach Quadratmetern: Der Pachtzins ist relativ niedrig angesetzt. Wenn man einen 400 qm großen Kleingarten pachten tut, bezahlt man etwa 0,50 Euro pro Quadratmeter, also insgesamt etwa 200 Euro an Pacht im Jahr. Der Pachtzins variiert natürlich je nach Gebiet und Kleingartenverein und ist ebenso abhängig von der Quadratmeteranzahl.
  • Vereinsbeitrag und Verbandsbeitrag: Da der Kleingärtner Mitglied im Kleingartenverein geworden ist, muss er auch seinen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 30-50 Euro bezahlen. Ist der Kleingartenverein einem Verband angeschlossen, dann kommen auch noch die Verbandsbeiträge (15-30 Euro) hinzu.
  • Versicherungen: Leider sind Kleingärten und Lauben ein sehr beliebtes Ziel von Einbrechern und Unfälle können auch passieren. Aus diesem Grund haben viele Gartenvereine Versicherungen abgeschlossen die man anteilig mit bezahlt. Die Kosten hierfür betragen etwa 30-50 Euro im Jahr.
  • Umlagen für Wasser und Strom: Wasser und Strom werden immer nach Verbrauch abgerechnet. Damit die Wasseruhr im Winter nicht platzt, empfiehlt es sich sie in den Frostmonaten auszubauen oder zumindest von starkem Frost (z. B. durch Styropor) zu schützen.Regenwassertonnen sind auch eine sehr gute Alternative.

Nicht mit eingerechnet sind die Anschaffungskosten für Verschönerungen, Verzierungen, Saatgut, Pflanzen, Werkzeuge und elektrische Geräte, Dünger, Töpfe oder Blumenerde.

Die Kleingärtner Erstausstattung – Was braucht man wirklich?

Einen Kleingarten pachten bedeutet auch Arbeit und ohne das entsprechende Werkzeug wird man seinen Garten nicht lange in Ordnung halten können und schnell den Spaß und die Freude daran verlieren. Um Gemüse zu säen, muss man den Boden entsprechend vorbereiten. Dazu benötigt man einen Spaten zum Umgraben, eine Hacke zum Lockern und eine Harke zum Glätten des Bodens. Eine kleine Gartenschaufel findet immer wieder Verwendung und eignet sich beispielsweise wunderbar zum Einsetzen von Pflanzen. Zum Zurückschneiden von kleineren Ästen oder Rosen braucht man zudem noch eine Gartenschere. Hat der Garten eine Hecke oder verfügt über größere Büsche, so braucht man noch eine große Heckenschere. Für das Zurechtschneiden von Bäumen eignet sich die Kombination von Astschere und einer Säge am besten. Damit die Pflanzen gedeihen können, brauchen sie auch Wasser. Um Wasser zu sparen, lohnt sich die Anschaffung einer Regentonne, natürlich braucht man auch eine Gießkanne. Gartenhandschuhe vermeiden nicht nur dreckige Finger, sondern beugen auch Verletzungen vor. Und man braucht noch einen Rasenmäher. Mittlerweile gibt es leistungsstarke Akku-Rasenmäher, mit denen man wunderbar und kabellos seinen Rasen pflegen und mähen kann. Schon beim Kauf sollte man wenn möglich auf Qualität achten. Die hat auch ihren Preis, doch dafür hat man auch lange seine Freunde daran! Gartenwerkzeuge vom Gardena oder Wolf sind sehr empfehlenswert, Fiskars hat klasse Spaten und Bosch hervorragende Gartenelektrogeräte. Ein Thermokomposter gehört ebenfalls in den Garten.

Holland-Gemüse? Nein, Danke!

Hand aufs Herz, wem schmecken eigentlich die gentechnisch veränderten Tomaten aus den niederländischen Gewächshäusern? Gemüse, dass unter künstlichem Licht in Substrat aufgezogen wurde und noch nie einen Krümel Erde gesehen hat kann doch nur nach Wasser bzw. nach rein gar nichts schmecken! Gärtnern lohnt sich, denn nichts geht über selbst gezüchtete Tomaten oder Gurken aus dem eigenen Garten – zu 100% aus biologischem Anbau, man weiß es denn man hat es selber gepflanzt. Einen Kleingarten pachten lohnt sich in vielerlei Hinsicht! Die Menschen haben vergessen, wie wohlschmeckend beispielsweise alte Tomatensorten schmecken, denn Tomaten dieser Art findet man im Handel nicht mehr. Wer alte Tomatensamen oder alte Gurkensamen aufzieht, wird sich später über eine richtig „krumme“ und äußerst leckere Ernte freuen können!

Tipps für den angehenden Kleingärtner

Bevor man sich einen Kleingarten pachten tut, sollte man sich wirklich Gedanken machen und nicht vorschnell oder unüberlegt handeln. Hat man wirklich Zeit für den Garten? Packen Freunde oder Familienangehörige mit an? Im Idealfall befindet sich der eigene Kleingarten in der näheren Umgebung der Wohnung oder ist zumindest mit dem Auto schnell erreichbar. Bevor man einen Kleingarten pachten tut, sollte man diesen zunächst an einem Wochenende gut begutachten und mit den unmittelbaren Nachbarn plaudern. An den Wochenenden sind die meisten Nachbarn im Garten und so kann man diese bereits im Vorfeld etwas kennen lernen und sich selbst ein Urteil bilden. Ein Garten ist ein wundervolles Hobby für den Einzelnen oder die ganze Familie. Selbst das Grillen mit Holzkohle macht draußen viel mehr Spaß als mit dem Elektrogrill auf dem Balkon. Und wenn man sich seine Laube noch schön herrichtet, dann ist es fast schöner wie Daheim.