So entstand und zerbrach das ehemalige Jugoslawien

Vielen Deutschen ist der Staat Jugoslawien immer noch wohl bekannt, waren Jugoslawien und die Adria doch ein sehr beliebtes Urlaubsland der Deutschen und Jugoslawen waren mitunter die ersten Gastarbeiter, die im Zuge des Anwerbeabkommens in den 60er Jahren nach Deutschland kamen. Dieser Artikel soll Aufschluss darüber bringen, was Jugoslawien eigentlich war, wie es entstand, warum es einen Bürgerkrieg auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gab und was aus diesem Land geworden ist.

Die Entstehung des Staates Jugoslawien

Die Geschichte des Staates Jugoslawien ist etwas kompliziert, in der Geschichte gab es den Staat nämlich insgesamt drei Mal! Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns entstand zunächst das Königreich Jugoslawien unter Führung des serbischen Staatsoberhauptes König Peter I. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Königreich Jugoslawien von Deutschen und Italienern besetzt.

Das Königreich wurde von den Besetzern geteilt. Serbien wurde ein militärisch besetzter Vasallenstaat, Slowenien zwischen Deutschen und Italienern geteilt, wohingegen Kroatien mit Bosnien & Herzegowina einen den Nazis wohl gesonnenen faschistischen Vasallenstaat namens Unabhängiger Staat Kroatien bildete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem geteilten Königreich und den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Serbien und Mazedonien zunächst die Föderative Volksrepublik Jugoslawien, welche später dann im Jahre 1963 in die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien unbenannt wurde.

Langjähriger Ministerpräsident und Staatspräsident war der diktatorische und kommunistische Ex-Partisanenführer und Politiker Josip Broz Tito, welcher die Verfassung zunächst nach dem Vorbild der Sowjetunion erstellte, sich später dann immer mehr von den Sowjets distanzierte und mehr dem Westen annäherte. Jugoslawien war ein blockfreier Staat und verhielt sich den Westmächten sowie dem Ostblock gegenüber neutral.

Der Zerfall Jugoslawiens

Als sich die Teilrepubliken der SFRJ in einem Referendum mit jeweils hoher Wahlbeteiligung für die staatliche Souveränität aussprachen und somit die Unabhängigkeit vom Staat Jugoslawien erklären, intervenierte die jugoslawische Armee 1991 im sogenannten 10-Tages-Krieg zuerst in Slowenien und versuchte anschließend erfolglos die Staatsgrenzen durch einen vier Jahre andauernden Krieg in Kroatien (1991 bis 1995) sowie in Bosnien & Herzegowina (1992 bis 1995) zu wahren. Nach der Unabhängigkeitserklärung der Teilrepubliken und während des Bürgerkriegs auf dem Balkan existierte der Staat Jugoslawien lediglich aus den zwei Republiken Serbien und Montenegro, welche heute beides eigenständige Staaten sind.

Der Bürgerkrieg auf dem Balkan

Die jugoslawische Volksarmee (JNA) bestand während des Jugoslawienkriegs im Wesentlichen aus Serben und Montenegrinern und wurde durch serbisch-orthodoxe Freischärler Truppen aus Bosnien & Herzegowina sowie aus Kroatien unterstützt. Der Glauben spielte im Balkankrieg nämlich eine wichtige Rolle. Kroaten sind hauptsächlich Katholiken, Serben und Montenegriner Orthodoxe und Bosnier zu einem Großteil Muslime.

Wohnten Menschen orthodoxen Glaubens in Kroatien, so sahen sie sich nicht als Kroaten, sondern als orthodoxe Serben, dasselbe galt für orthodoxe Bosnier, katholische Bosnier sahen sich als Kroaten. So gesehen kann der grausame Jugoslawienkrieg auch als Glaubenskrieg zwischen Orthodoxen, Katholiken und Muslimen bezeichnet werden.

Der Balkankonflikt war längst kein Konflikt mehr, den Kriegen in Kroatien und Bosnien & Herzegowina fielen über 100.000 Menschen zum Opfer, viele wurden im Rahmen ethnischer Säuberungen vertrieben oder ermordet oder gingen als Flüchtlinge ins Ausland und kamen nie wieder zurück!

In Bosnien leben zwar größtenteils Muslime (45%), aber auch Orthodoxe (34%) sowie Katholiken (15%) und das führte während des Bosnienkriegs zu erbitterten Territorialkämpfen zwischen muslimischen Bosniern, orthodoxen Serben und katholischen Kroaten. Oftmals wird ein Bosnier als „Bosnischer Serbe“ oder „Bosnischer Kroate“ bezeichnet, doch das ist falsch, denn diese Bezeichnung gibt lediglich seine Nationalität und seine Glaubensrichtung an, die Staatsangehörigkeit ist bosnisch.

Die Situation heute

Bei der letzten gemeinsamen Volkszählung im Jahre 1990 hatte der Staat Jugoslawien 23,27 Millionen Einwohner. Auf dem Balkan leben heute in den sechs Nachfolgestaaten Jugoslawiens nur noch insgesamt 19,4 Millionen Einwohner und das, obwohl in dieser Zeitspanne der Anteil der Weltbevölkerung von 5,3 auf 7,1 Milliarden und um fast 39% gestiegen ist!

Durch die Kriegswirren sind viele als Jugoslawen ins Ausland geflohen und mittlerweile Deutsche, Schweden, Schweizer, Österreicher, Australier, US-Amerikaner oder Kanadier geworden und selbst heute suchen gut ausgebildete junge Menschen nach ihrem Studium das Weite und treten die Wirtschaftsflucht in andere Länder an. Jugoslawien war ein sogenannter Vielvölkerstaat und konnte in seiner Form nur durch eine eiserne Hand und diktatorische Führung Titos zusammengehalten werden.

Während sich andere Länder friedlich vom Kommunismus abwendeten sich dem Wandel der Zeit anpassten, zerbrach das ehemalige Jugoslawien durch den Bürgerkrieg und musste zudem auch noch einen massenhaften Exodus seiner Bevölkerung verkraften.

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