Arm trotz Arbeit: Ein Fallbeispiel

Immer mehr Menschen können ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten, obwohl sie einen Job haben. Diese Menschen sind arm trotz Arbeit! Ist Deutschland ein Dumpinglohnland? Durch die hohen Lebenserhaltungskosten und teilweise niedrigen Löhne in gewisser Weise ja, wie dieses Fallbeispiel beweist.

Annika ist 23 Jahre alt, lebt in Frankfurt und sie hat einen Vollzeitjob als Verkäuferin. Annika hat auch eine dreijährige Berufsausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht, denn schließlich wollte sie ja später als gelernte Fachkraft ein gutes Einkommen haben, um davon ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Leider ein Irrtum, denn Annika verdient knappe 1200 Euro netto! Das ist zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel und zum Überleben gerade mal ausreichend. So wie Annika geht es vielen Menschen, denn Annika lebt in Armut und ist arm trotz Arbeit.

Arm trotz Arbeit: 11,38 Euro am Tag zum Leben

Annika ist Single, allein stehend und arm trotz Arbeit. Da die Mieten in Frankfurt nicht gerade günstig sind, bezahlt sie 700 Euro warm für eine kleine 2-Zimmer-Wohnung am Stadtrand. Sie nutzt öffentliche Verkehrsmittel für 78,50 Euro im Monat, denn ein eigenes Auto ist Utopie. Annika hat auch einen Telefon/Internetanschluss und ein Handy und bezahlt 40 Euro monatlich für Strom.
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Wenn Sie alle laufenden Kosten beglichen hat, dann bleiben ihr etwa noch 11,38 Euro am Tag für Essen, Trinken, Kleidung, Hygieneartikel und sonstige Ausgaben. Gut, von 11,38 Euro muss man nicht verhungern aber das müssen die Plantagenarbeiter in den Dritte-Welt-Ländern auch nicht. Dort bekommen sie Nahrung, Obdach und etwas Geld – und sie brauchen keine Monatskarte.

Überleben? Überlegen!

Annika ist eine ausgebildete Fachkraft und arbeitet im Verkauf. Ihr Chef erwartet von ihr natürlich ein gepflegtes Erscheinungsbild und ein freundliches Auftreten gegenüber den Kunden. Annika soll den Verkaufsabschluss suchen und den Umsatz steigern und mit Engagement bei der Sache sein, denn nur so kann sie ihren (Hungerlohn-) Arbeitsplatz sichern – das hat man ihr schließlich lange genug eingetrichtert.

Ob Annika nun einen knurrenden Magen hat, körperliche Mängelerscheinungen oder aufgrund ihrer finanziellen Notsituation psychische Probleme hat interessiert ihren Chef herzlich wenig. Annika hat schließlich einen Arbeitsvertrag unterschrieben, mit dem sie einverstanden war und sie hat zu funktionieren. Das tut sie auch, so gut sie kann. Sie macht sogar unbezahlte Überstunden und lebt in einer vollkommenen Perspektivlosigkeit, dennoch kann sie froh sein, denn sie hat einen Job.

Über einen Job muss man ja heutzutage froh sein, oder? Annika kann sich keine teuren Hobbys leisten. Sie lebt, um arbeiten zu gehen und sie geht arbeiten, um irgendwie überleben zu können. Annika ist arm trotz Arbeit und kein Einzelfall, denn in Deutschland gibt es Millionen Annikas, Menschen die trotz arm trotz Arbeit sein und selbst mit Job in Armut leben müssen.

Die Soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr

Politiker diskutieren über Mindestlöhne, dabei reichen in vielen Berufszweigen selbst die Tariflöhne für ausgebildete Facharbeiter zum Leben nicht mehr aus. Besonders schlimm ist es in deutschen Großstädten mit einem hohen Mietspiegel wie in Frankfurt, Hamburg oder München.

Soziale Marktwirtschaft ist nur noch ein Deckmantel, wer nicht studiert hat, bekommt die Quittung. Viele Menschen sind Opfer der Gewinnmaximierung, die Schere zwischen Arm und Reich klafft nicht nur weiter auseinander, sie dreht sich um die eigene Achse! Wo führt das noch hin? Arbeiten gehen muss sich lohnen.

Auch ein Lagerarbeiter oder Automechaniker sollte ohne Existenzängste eine Familie gründen und ernähren können, ein Auto fahren und einmal im Jahr mit seiner Familie in den Urlaub fliegen können.Das Thema Mindestlöhne ist längst nicht mehr aktuell, Outsourcing und Leiharbeit gehören abgeschafft und dafür sollte der Kündigungsschutz gelockert werden.

Arbeitnehmer sollten selbst entscheiden können ob sie auf den gesetzlichen Kündigungsschutz und eine Abfindung verzichten wollen und stattdessen ein deutlich höheres Gehalt beziehen möchten. Das wäre vor allem das Ende der Zeitarbeitsfirmen und ein Anfang im Kampf gegen das Lohndumping in Deutschland!

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